Inhalt
Kritik an Leitern in der Gemeinde?
Über Kritik und Richten
in der Gemeinde
Diese Aufsätze enthalten
Kritik. Besonders wir als „Charismatiker“ sind an Kritik nicht gewöhnt. Ich
werde aber versuchen, zu beweisen, daß 1. Kritik grundsätzlich nichts
Negatives, Böses oder gar Sünde ist. 2. Das Kritik nicht nur in der Bibel
vorkommt, sondern auch ein Mittel ist,
daß von Gott gewollt und gebraucht wird und einem guten Zweck dient, wenn sie
vernünftig gehandhabt wird.
Das Wort Gottes ist ein „Kritikos“ !
Hebr 4,12 Denn das Wort Gottes ist lebendig und
wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und durchdringend bis
zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und
ein Beurteiler1 {O. Richter} der Gedanken und Gesinnungen des
Herzens;
1) Kritikos
< 2923 (w. Eignung zum Richter);
Adj. (1)
I.) richtend 1) mit Urteilsfähigkeit ausgestattet;
kritisch; befugt, ausgebildet und geübt zu richten; fähig (literarisch) zu
beurteilen. Hebr 4,12
Kritik ist unangenehm. Kritik tut meistens weh. Ich
kenne niemanden, der von sich behauptet, gern kritisiert zu werden, oder daß es
innerlich aufbaut und ermutigt wenn man kritisiert wird.
Nein, ganz im Gegenteil, man versucht in der Regel der
Kritik möglichst aus dem weg zu gehen. Wenn man sie nicht vermeiden kann, dann
verteidigt und rechtfertigt man sich vehement, oder man geht zum Gegenangriff
über und spricht seinem Kontrahenten jegliches moralische oder intellektuelle
Recht ab, mich überhaupt zu kritisieren.
Es kommt vor, daß man seinen Kritiker verleumdet und ihn genau dessen
beschuldigt, daß er an einem selbst kritisiert. So ist das wohl oft.
Kritik kann den Ruf eines Menschen ruinieren und ihn
gesellschaftlich unmöglich machen. Wenn es nicht gelingt, sie zu bremsen oder
zu widerlegen, kann sie um sich greifen, wie ein Flächenbrand, kann ausufern
und jedes noch so gute Gegenargument achtlos beiseite fegen. Sie kann nicht nur
einzelne Menschen, sondern auch ganze Organisationen, Gemeinden oder Bewegungen
diskreditieren und zerstören.
Deswegen ist
sie so unbeliebt.
Sie ist auch meistens unbeliebt, wenn sie berechtigt
ist, denn in der Regel wird das an Jemand kritisiert, was der selbst nicht
sehen kann und an sich wahrnimmt, oder was er sich selbst gegenüber verleugnet
und nicht wahrhaben will. In diesem Fall
ist der Blick in den Spiegel der Kritik ebenso unbeliebt und schmerzhaft wie
bei falschen Anschuldigungen!
Doch was sagt die Bibel eigentlich zum Thema
Kritik? Und dürfen insbesondere die
geistlichen Leiter der Gemeinde überhaupt kritisiert werden?
1Chr
16,22 "Tastet meine Gesalbten
nicht an, und meinen Propheten tut nichts Übles!"
1Sam 26,9 Aber David sprach zu Abisai: Verderbe ihn
nicht! Denn wer streckte seine Hand gegen den Gesalbten Jehovas aus und
bliebe schuldlos? {O. ungestraft}
Durch diese Verse wurde mir als junger Christ
vermittelt und gepredigt, daß es eine große Sünde ist, Pastoren, Lehrer,
Prediger und andere geistliche Leiter zu kritisieren, weil das ja die
„Gesalbten des Herrn“ seien. Man würde quasi Gottes Augapfel selbst angreifen,
wenn man das tut. Wer sich mit geistlichen Leitern anlegt, der legt sich mit
Gott an, war die Botschaft. Und wer will sich schon gern mit dem allmächtigen
Gott anlegen?
Hebr
13,17 Gehorcht und fügt euch euren
Führern(a)! Denn {sie} wachen über eure Seelen, als solche, die
Rechenschaft geben werden, damit sie dies mit Freuden tun und nicht mit
Seufzen; denn dies wäre nicht nützlich für euch.
(a) 1Thes 5,12.13; 1Petr 5,3;
Nun ja, damit wäre ja
nun alles geklärt, oder? Wir wollen doch der Bibel aufs Wort vertrauen, oder nicht?
Bloß nicht aufmucken und auf gar keinen Fall negativ
über Leiter reden, auch nicht hinter vorgehaltener Hand. Das würde doch den Heiligen Geist betrüben, der sich sofort von
uns und der Gemeinde zurückziehen würde, nicht wahr?
Aber geben diese Bibelstellen
wirklich diese Botschaft? Oder benutzt man sie vielleicht nur dazu, um
Schwierigkeiten und Kritik aus dem Weg zu gehen und die Kontrolle über die
Herde zu behalten?
Wer sind denn eigentlich die
„Gesalbten des Herrn“, von denen in den genannten Versen die Rede ist?
Und geht es bei dieser
Ermahnung, sie nicht anzutasten
überhaupt um Kritik?
Im Kontext der
Stelle, wo David sich dazu äußert, geht es um König Saul, der vom Propheten
Samuel im Auftrag Gottes zum König gesalbt wurde und somit der „Gesalbte des
Herrn“ war. Dieser war von Gott abgefallen und dämonisch verfinstert. Er
versuchte ständig, David zu verfolgen und umzubringen, weil er wusste, daß
David sein Nachfolger werden sollte.
David bekam nun
ständig Gelegenheiten, seinen Widersacher umzubringen und so der Verfolgung zu
entgehen. In nobeler und loyaler Gesinnung Gott und Saul gegenüber weigerte er
sich jedes Mal, diese günstigen Gelegenheiten zu ergreifen und verschonte das
Leben Sauls.
Das war sehr
ehrenvoll und ritterlich und zeugt von Davids gutem Charakter und seiner Liebe
zu Gott.
Aber es sagt
rein gar nichts über das Thema Kritik aus!
In der Tat
kritisierte David öfter die Gottlosigkeit und Boshaftigkeit Sauls. Hier spricht
David zu Saul:
1Sam 24,12
Sieh, mein Vater,
ja, sieh den Zipfel deines Oberkleides in meiner Hand! Denn daß ich einen
Zipfel deines Oberkleides abgeschnitten und dich nicht umgebracht habe, daran
erkenne und sieh, daß meine Hand rein ist von Bosheit und Aufruhr! Ich habe
mich nicht an dir versündigt.
Du aber
stellst meinem Leben nach, um es <mir> zu nehmen.
Der HERR
richte zwischen mir und dir, und möge der HERR mich an dir rächen! Aber meine
Hand soll nicht gegen dich sein.
Guten Morgen liebe
Gemeinde, bitte
aufwachen. David kritisierte Saul und blieb am Leben! Er kritisierte und
sündigte damit nicht!
Ich habe euch
in dem Brief geschrieben, nicht mit Unzüchtigen1 Umgang zu haben;
(1) o. Hurern; so auch
V.10.11
nicht überhaupt mit den
Unzüchtigen dieser Welt oder den Habsüchtigen und Räubern oder Götzendienern,
sonst müsstet ihr ja aus der Welt hinausgehen. Nun aber habe ich euch
geschrieben, keinen Umgang zu haben, wenn jemand, der Bruder genannt wird, ein
Unzüchtiger ist oder ein Habsüchtiger oder ein Götzendiener oder ein Lästerer
oder ein Trunkenbold oder ein Räuber, mit einem solchen nicht einmal zu essen.
Denn was habe ich zu richten, die draußen sind? Richtet ihr nicht, die drinnen
sind?
Die aber draußen sind, richtet Gott. Tut den Bösen von euch selbst hinaus!
Bringt es jemand von euch, der einen Rechtsstreit mit dem anderen hat, über
sich, vor den Ungerechten zu streiten, und nicht vor den Heiligen? Oder wisst ihr nicht, daß die Heiligen die
Welt richten werden? Und wenn durch euch1 die Welt gerichtet wird,
seid ihr dann nicht würdig, über die geringsten Dinge zu richten2?
(1) o. vor (o. unter) euch
(d.i. in eurem Beisein); (2) w. seid ihr <dann etwa> unwürdig der
geringsten Gerichte
Wisst ihr nicht, daß wir Engel richten werden, wie viel mehr <über>
Alltägliches?
Wenn ihr nun über alltägliche Dinge Rechtshändel habt, so setzt ihr die <zu
Richtern> ein, die in der Gemeinde1 nichts gelten?2
(1) o. Versammlung; (2) o.
so setzt <doch> die <zu Richtern> ein, die in der Gemeinde nichts
gelten!
Zur Beschämung sage ich es euch.
Also gar kein Weiser ist unter euch, der zwischen Bruder und Bruder1
entscheiden2 kann?
(1) w. zwischen seinem
Bruder; (2) o. unterscheiden
Kriterion: Maßstab des
Richtens und Entscheidens.
Offensichtlich ist Paulus der
Überzeugung, daß alle diese Dinge in einer gesunden, geistlich reifen Gemeinde
vorhanden sein sollten! Er fordert, daß wir zumindest über Alltägliches
urteilen und richten sollten. Er beklagt, daß Glaubensgeschwister
Streitigkeiten miteinander haben und damit vor weltliche Gerichte ziehen. Diese
Aufgabe scheint seiner Meinung nach den „Weisen“ der Gemeinde zuzufallen.
Aha, also sollte wohl nicht
Jeder wild herumkritisieren, zanken und streiten, sondern es erfordert die Gabe
der Weisheit! Ich bin da ganz der Meinung von Paulus. Kritik
zu üben ist eine hohe Kunst, die nicht jeder beherrscht und die man durch viel
Geduld, Fehler und vor allem durch die Fähigkeit zur Selbstkritik erlernt. Es
erfordert zuhören, nachdenken und abwägen aller Kriterien, bevor man zu einer
Entscheidung gelangt. Man sollte immer beide Seiten eines Falls betrachten.
Besser noch: Alle drei Seiten – Bruder, Schwester und Gott. Wer zuerst drauflos plappert und dann später
erst sein Hirn einschaltet, ist vielleicht ein zänkischer, streitsüchtiger Mann
oder Frau, aber bestimmt kein Weiser!
Wie verhält es sich denn nun
mit dem Gebot unseres Herrn Jesus: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet
werdet? Was ist denn nun? Einmal sollen wir richten, und dann wieder nicht? Hat
denn nun Jesus recht oder Paulus? Ich glaube Beide! Jesus verurteilt
nämlich nicht das richten insgesamt, sondern das ungerechte
Richten! Er erwartet, daß du den gleichen Maßstab, mit dem du andere richtest,
auch an dein eigenes Leben anwendest. Er verurteilt das Messen mit zweierlei
Maß. Das Großzügige für mich und das Kleinliche für dich. Wenn man sich selbst
nicht beurteilt und richtet, dann sollte man es lieber gleich ganz sein lassen.
Math. 7,2 Denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr
gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden.
Joh 7,24 Richtet nicht nach dem Schein, sondern
richtet das gerechte Gericht1.
(1) o. fällt das rechte Urteil.
Ja schau mal her, hier sagt Jesus ja auf einmal, daß
wir doch richten sollen! Das ist eben kein Paradoxon, wie so
viele missverständliche Aussagen der Bibel, sondern macht noch einmal klar, daß
wir nicht nach dem Augenschein richten sollen, sondern in Gerechtigkeit. Jesus
fordert Gerechtigkeit von uns – sonst nichts! Damit meint er nicht die uns von
Gott geschenkte Gerechtigkeit, die wir alle als Kinder Gottes sowieso haben.
Diese Gerechtigkeit muss sich auch in Taten äußern – nicht nur in Worten oder
als Diplom für alle Christen, daß man sich an die Wand hängt.
Liebe Gemeinde, ich muß mal wieder zugeben, daß ich
dieses Thema nicht im Entferntesten erschöpfend behandelt habe. Ich gebe zu,
daß ich nur einen neuen kleinen Wegweiser aufgestellt habe – aber der hat es
dafür in sich. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit, es war mir ein
Hochgenuss, diese kleine Abhandlung zu schreiben.
Spr 3,5 Vertraue
auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand;
erkenne ihn auf allen deinen Wegen, so
wird er deine Pfade ebnen.
1Kor 1,19 Denn es steht geschrieben: «Ich werde die
Weisheit der Weisen vernichten, und den Verstand der Verständigen werde ich
verwerfen.
Wo ist ein Weiser? Wo ein
Schriftgelehrter? Wo ein Wortstreiter dieses Zeitalters? Hat nicht Gott die
Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?
1Kor
14,14 Denn wenn ich in einer Sprache1
bete, so betet mein Geist, aber mein Verstand ist fruchtleer.
(1) o. in einer Zunge
Was ist nun? Ich will beten mit dem Geist,
aber ich will auch beten mit dem Verstand; ich will lobsingen mit dem Geist,
aber ich will auch lobsingen mit dem
Verstand.
Wenn man diese Bibelstellen
mit offenem Herzen liest und dazu noch der Meinung ist, daß die Bibel stets
wörtlich zu nehmen und zu glauben ist, dann kann man schnell zu der Meinung
kommen, daß der menschliche Verstand eine gefährliche Sache ist, der stets dem
Heiligen Geist und der Erkenntnis Gottes widerstrebt, und daß man ihn mit
äußerster Vorsicht genießen muß. – Am besten überhaupt nicht nachdenken. –
Einfach in jeder Situation nur blind dem Wort Gottes vertrauen und auf den
Heiligen Geist in uns hören. Wenn sich der Verstand in solch einer Situation zu
Wort meldet – schnell verdrängen und schnell beten, daß der „Angriff des
Teufels“ vorüber geht. Wenn man dann noch liest, daß „der Verstand der Heiden
verfinstert ist“ kommt man über kurz oder lang sogar dahin, den Verstand sogar
zu dämonisieren und alle Menschen (Christen wie Nichtchristen) argwöhnisch zu
beäugen, die möglicherweise intellektuell überlegen sind oder überhaupt mal mit
der Logik des Verstandes argumentieren. Da werden dann schnell die Ketzerhüte
verteilt, es wird zur Vorsicht gemahnt oder Menschen wird eine „dämonische
Belastung“ attestiert. Man drängt sie womöglich an den Rand der Gemeinde oder
Bewegung, meidet sie und sorgt dafür, daß ihr Ruf so geschädigt wird, daß man
ihre Meinung einfach mit einem wissenden Lächeln ignoriert.
Dieses Verhalten ist
natürlich selbstverständlich keine Sünde, will man doch die Gemeinde und
seine unmündigen, unwissenden Schäfchen vor den bösen Machenschaften des
Teufels schützen.
Doch ist diese Lehre vom
suspekten, gefährlichen Verstand bei näherem hinsehen eigentlich wirklich
biblisch so fundiert, wie es beim oberflächlichen Lesen scheinbar so
offensichtlich ist? Oder hat vielleicht irgendein Hobbytheologe oder
charismatischer Prediger aus Unkenntnis oder anderen Gründen irgendwann eine
Legende in die Welt gesetzt, die möglicherweise seit Jahrzehnten oder länger
ohne selber nachzudenken, oder in der Schrift nachzuforschen, blind geglaubt
und von Generation zu Generation weitergegeben wird?
Zunächst einmal möchte ich
mit aller Deutlichkeit feststellen, daß man keine biblische Lehre auf der
Grundlage von 2 oder 3 Bibelstellen begründen kann, die man zwar mit gläubigem
Herzen gelesen aber möglicherweise völlig aus dem Zusammenhang gerissen hat.
Beispiel: In Joh.15,7 steht: So bittet, um was Ihr wollt, und es wird euch
geschehen. Wenn man nun nicht den 1. Teil dieses Bibeltextes sorgfältig
mitliest: „Wenn ihr in mir bleibet und meine Worte in euch bleiben“,
dann wird man in seinem
Glaubensleben möglicherweise in ernste Schwierigkeiten geraten!
Genau das wird aber von
geistlich unreifen Christen, zu denen leider oft auch Leiter und Prediger
gehören, oft allzu gerne gemacht! Bibelstellen aus dem Kontext reißen, um damit
seine eigene vorgefasste Meinung zu untermauern. Möglichst noch mit der
Bemerkung versehen: „Der Herr hat mir offenbart oder gezeigt“. Oder: „Der
Heilige Geist sagte zu mir“ und ähnliche Formulierungen.
Da möchte man doch manchmal
gerne lauthals die Polizei zur Hilfe rufen! (Das war jetzt ein Scherz));
Zu diesem Thema: „Verstand“ hat
sich die Bibel nun aber mehr als 3mal geäußert, und es ist auf jedenfall ratsam
alles zu wissen, was Gott zum
Thema zu sagen hat, oder? Man könnte sonst Wesentliches verpassen.
2Mo 36,1 Heiligtum: Freigebigkeit des Volkes
Und Bezalel und Oholiab und alle Männer mit einem weisen Herzen, denen der HERR
Weisheit und Verstand eingegeben hatte, damit sie die ganze Arbeit zum Bau1
des Heiligtums ausführen könnten2, machten es ganz so, wie der HERR
geboten hatte.
(1) w. Dienstwerk; (2) o. damit sie erkennen sollten, <wie> die ganze
Arbeit ... zu machen sei
Das Wort Verstand heißt im Urtext tatsächlich
Verstand. (Hat auch was mit Intelligenz zu tun!)
Ich stelle fest: Gott ist offenbar derjenige, der den
Menschen mit Verstand ausgestattet hat. In diesem Fall sogar in einem
besonderen Maß.
Braucht es eigentlich eine besondere Bibelstelle, um diese Wahrheit zu untermauern?
Man kann auch durch simples Nachdenken schnell zu diesem Schluss kommen: Wenn
Gott den Menschen geschaffen hat, dann war er es wohl auch, der uns den
Verstand geschenkt hat. (Dem Einen vielleicht etwas mehr als dem Anderen) Also
kann der Verstand nicht von vornherein gefährlich, böse, oder sonst wie suspekt
sein, oder? Ein einfacher Vernunftsschluß, der eine gewisse Logik enthält, die
ME sogar dem Heiligen Geist standhält.
1Chr 22,12 Auch
wird der HERR dir geben Klugheit
und Verstand und wird dir
Israel befehlen ,
daß du haltest das Gesetz des HERRN, deines Gottes
Auch in diesem Fall ist tatsächlich Intelligenz,
Klugheit und Verstand gemeint. – Möge der Herr doch bitte schnell mehr Christen
damit segnen!
Kann eigentlich irgendetwas, was Gott schenkt verkehrt
sein?
Übrigens, wie will man ohne Verstand eigentlich die
Bibel lesen? Wie wäre es möglich gewesen, uns das Wort Gottes zu überliefern –
ohne Verstand? Wie soll man ohne Verstand lehren und predigen?
1Kor
14,19 Aber in der Gemeinde will ich <lieber> fünf Worte mit meinem
Verstand reden, damit ich auch andere unterweise, als zehntausend Worte in einer
Sprache1.
(1) o. Zunge(n) - (oder im Geist)
Ich muss zugeben, daß mich diese Verse früher immer irgendwie
beleidigt und enttäuscht haben, weil ich ein starker Befürworter des
Sprachengebetes war, das für mich der Schlüssel zur Freisetzung des Geistes
Gottes in der Gemeinde war, und ich die Herrschaft des Verstandes in der
Gemeinde vehement bekämpft habe.
Spr 2,2 indem du der Weisheit dein Ohr leihst,
dein Herz dem Verständnis zuwendest, ja, wenn du den Verstand anrufst, zum
Verständnis erhebst deine Stimme, wenn du es suchst wie Silber und wie Schätzen
ihm nachspürst, dann wirst du verstehen die Furcht des HERRN und die Erkenntnis
Gottes gewinnen.
Spr 4,5 Erwirb dir Weisheit, erwirb
Verstand, vergiss <sie> nicht! Und weiche nicht von den Reden meines
Mundes!
Nicht allein Weisheit, nein auch dem
Verstand sollen wir nachjagen, ihn ausbilden, trainieren und einüben.
Wie nach Schätzen ihm nachspüren! Das
ist offenbar sogar sehr wichtig, wenn es um die Erkenntnis Gottes geht. „Und
ich dachte, man muss sich einfach nur mehr und mehr vom Geist Gottes erfüllen
lassen, wenn man Gott mehr kennen lernen will“ – höre ich im Geiste jetzt viele
meiner lieben aber ahnungslosen Geschwister sagen. – Das ist wohl
offensichtlich ein Irrtum!
Röm 1,20 Denn sein unsichtbares <Wesen>, sowohl
seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaffung der Welt
in dem Gemachten wahrgenommen1 und geschaut, damit sie ohne
Entschuldigung seien;
(1) o. erkannt, mit dem Verstand ergriffen
Sein unsichtbares Wesen, seine Kraft und
Göttlichkeit wird von den sogenannten „Heiden“ also geschaut und mit dem
Verstand wahrgenommen? – Ist das wirklich von unser
aller Freund Paulus? Der an anderer Stelle von dem „verfinsterten Verstand“
spricht? Von Menschen, denen der „Gott dieser Welt“ den Sinn verblendet hat?
Eph 4,18 <sie sind> verfinstert am Verstand,
fremd dem Leben Gottes wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der
Verstockung1 ihres Herzens;
(1) o. Verhärtung
Warum ist ihr Verstand denn nun verfinstert? Weil der
Verstand ein Spielball des Teufels ist? Weil er in sich schon böse und gottlos
ist, ein offenes Einfallstor für die Horden der Hölle?
Nein, sondern wegen der Verstockung ihres Herzens!
Wegen der Unwissenheit, die aus Sünde resultiert.
Das hebräische Wort „schagah“ und das Hauptwort
„sdiegagah“ aus dem alten Testament drücken das im menschlichen Sein begründete
Irren, das »Abirren« aus. (Rienecker
Bibellexikon)
Unwissenheit und Irrtum über Gott hat
mit Sünde zu tun, mit einer falschen Herzenshaltung, so wie Stolz, Hochmut,
Geiz, Selbstsucht usw. und nichts mit einer konstruierten Dämonie des
Verstandes!
Aus der Sünde heraus folgt dann auch das
falsche Denken.
Wenn Jesus der Meinung ist, das wir Gott
mit ganzer Seele, ganzem Gemüt und auch ganzem Verstand lieben sollen, kann das
doch wohl nicht bedeuten, daß wir den Verstand bei jedem logischen Einwand
gegen eine biblische Lehre unterdrücken, beiseite schieben und als etwas
dämonisches oder Fremdes betrachten, weil der „Gesalbte Gottes“ (Prediger,
Pastor oder Lehrer) das so von uns erwartet.
Nein, der Verstand will mit Fakten
überzeugt werden, der Verstand will den Dingen auf den Grund gehen, er hat eine
unerklärliche, unbeugsame Liebe zur Wahrheit! Kann diese Liebe zur Wahrheit
etwas ungöttliches sein? Oder ist es nicht vielmehr ungöttlich, wenn z.B.
sogenannte „Geheilte“ nachdem sie in der „Heilungsversammlung“ auf der Bühne
vorgeführt wurden, dann im Rollstuhl oder auf Krücken den Saal verlassen? –
Immer schön die Heilung festhalten – sonst verlierst du sie wieder – schallt es
dann fast noch hämisch hinter ihnen her. Und zusätzlich zu ihrem Leiden
bekommen sie dann auch noch die Schuldgefühle für die „vermasselte“ Heilung
aufgebürdet. – Vielen dank auch! – da ist ein Kranker, der zum Arzt geht besser
dran. By the way: Hat eigentlich schon mal irgend jemand in der Bibel gelesen, daß jemand die Anweisung
gegeben wurde, seine Heilung festzuhalten, weil sie sich sonst in Luft auflösen
würde?
Das ausschalten des Verstandes, daß in
bestimmten christlichen Kreisen immer wieder gefordert wird, ist meiner Meinung
nach in vielen Fällen einfach ein Mittel, um seine Kontrolle und Macht als
geistliche Autorität nicht zu verlieren, sondern zu festigen und auszubauen,
sei es auch unbewusst. – Es geht ja
unter anderem auch oft um seinen Ruf und die finanzielle Existenz, - gerade in
den Freikirchen, wo die Pastoren und Gastprediger nicht von der Kirchensteuer,
sondern den mehr oder weniger freiwilligen Spenden der geduldigen Schäfchen
abhängen.
Wer seinen Verstand nicht einschaltet, der
stellt ja auch nichts und niemanden in Frage! Keine merkwürdige Lehre oder
Prophetie, und keine merkwürdigen Entscheidungen oder Verhaltensweisen.
Das ausschalten des Verstandes ist gefährlich!
Es macht verführbar und hält uns unmündig. Wir sündigen gegen Gott, der uns
dieses Geschenk gegeben hat. Es ist grober Undank Gott gegenüber.
Nach deutscher Rechtsprechung ist grober
Undank übrigens das einzige Kriterium, auf Grund dessen man ein einmal
gegebenes Geschenk gesetzlich zurückfordern kann. Man höre und staune!
Selbst der Volksmund lehrt uns: „Wer
rastet, der rostet.“ Oder die Natur: Wenn wir einen Muskel nicht regelmäßig
belasten, dann schrumpft er ein. Das kann soweit gehen, daß man nach Zeiten der
Krankheit vor Schwäche nicht mehr laufen kann und die entsprechenden Muskeln
wieder aufgebaut werden müssen
Nicht umsonst wird von
wissenschaftlicher Seite gerade älteren Menschen empfohlen, ihr Gehirn weiter
durch Denksport, lesen, Schach oder Rätsel und andere Aktivitäten sowie das
verfolgen von Nachrichten und allgemeinem Interesse an den Vorgängen in der
Welt zu trainieren, um sich beispielsweise vor Alzheimer und Altersdemenz zu
schützen.
Wer nicht nachdenkt, ist dumm und wird
am Ende immer dümmer!
Viele Nichtchristen schauen nicht nur
voller Mitgefühl auf uns dumme Christen, weil sie vom Teufel verblendet sind
und das Evangelium eben einfach nicht verstehen können, sondern weil wir uns
auch oft künstlich dümmer machen, als wir sind. Und das ist dümmer, als die
Polizei erlaubt.
Das abschalten des Verstandes
ist die wichtigste Vorraussetzung für Suggestion und Hypnose. Es ist
erschreckend und erstaunlich, wozu Menschen unter Hypnose fähig sind oder was
die Macht der Suggestion alles kann. Ein direkter Zugriff auf das
Unterbewusstsein ist möglich, man kann Gehirnwäsche betreiben und die
Festplatte des Gehirns beliebig neu beschreiben. Alte Inhalte einfach löschen,
und neue Inhalte hineinkopieren.
Wollen wir so etwas wirklich?
Will Gott so etwas wirklich? Will Gott uns wirklich einer „Gehirnwäsche“ unterziehen,
bei der die alten, unbiblischen Philosophien und Gedanken einfach gelöscht
werden, und durch endlose Gottesdienste, Konferenzen und Bibelschulwochen die
neuen, „gesunden“ Gedanken einkopiert werden, die dann endlich die phänomenalen
Resultate erzielen, die in der Bibel stehen?
Oder will Gott etwa, daß wir
selbst aktiv werden, uns unsere eigenen Gedanken machen, selbst in der Bibel
nachforschen, Lehren und Predigten hinterfragen, uns unsere eigene Meinung
bilden? Ist es nicht so, das eine Überzeugung, zu der man eigenständig gekommen
ist, viel tragfähiger ist als der vorgekaute, halbverdaute Brei, der von
reisenden Predigern mal mit dem Löffelchen, mal mit dem Holzhammer verabreicht
wird?
Sollen wir weiterhin nachplappern,
was uns tausendmal vorgekaut wurde, oder wollen wir anfangen selbstständig zu
denken, zu beten und in der Bibel zu forschen. Wollen wir unmündig bleiben oder
Erwachsen werden? Bitte frage jetzt nicht Deinen Pastor darüber, sondern denk
doch mal selber nach und frage mal lieber den Boss persönlich. Danke.
1Kor 14,20 Brüder, seid nicht Kinder am Verstand,
sondern an der Bosheit seid Unmündige, am Verstand aber seid Erwachsene1!
(1) w. Vollkommene (im Griech. ein Ausdruck für «Erwachsene»)
Ich bitte jeden Menschen der auch immer dieses lesen
mag, sich selbst und Gott zu versprechen, ab sofort niemand anderen mehr für
sich denken zu lassen, sondern ab sofort für sich selbst zu denken. Im Zweifel
sollte man immer zuerst Gott und sein Wort befragen und danach seine Freunde,
Geschwister oder Leiter und Pastoren. Aber über die Wahrheit entscheiden muss
man schon allein. Das kann einem niemand abnehmen, und es ist auch äußerst ungesund und kindisch, daß den
sogenannten „Gesalbten des Herrn“ zu überlassen.
Betrachten wir nun noch
einmal den Ausgangspunkt unserer kleinen Exkursion:
Spr 3,5 Vertraue
auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand;
erkenne ihn auf allen deinen Wegen, so
wird er deine Pfade ebnen.
Wir haben beileibe nicht
alles betrachtet, was die Bibel über Verstand, Vernunft, (Intelligenz) zu sagen
hat. Ich will hier auch keinesfalls behaupten, dieses Thema erschöpfend
behandelt zu haben. Ich habe lediglich ein Gegengewicht zu einer einseitigen
und gefährlichen Bibelauslegung gesetzt, um das Ganze Thema ein wenig gerade zu
rücken und einen Wegweiser in eine neue Richtung gesetzt. Nicht mehr und nicht
weniger.
Nun möchte ich mein persönliches (entwicklungsfähiges)
Verständnis über die geistliche Stellung des menschlichen Verstandes zum besten geben:
Ich glaube auf der Grundlage meines derzeitigen
biblischen Erkenntnisstandes und meiner nicht von anderen vorgekauten, sondern
selbstständig erarbeiteten Meinung daran, daß der Verstand
Es ist gut, alle Fragen des natürlichen und des
geistlichen Lebens gründlich und immer
wieder selbst zu durchdenken und nicht alles in Faulheit und Passivität dem
Heiligen Geist oder seinen geistlichen Leitern oder Vorbildern zu überlassen.
Das schwächt den Charakter, macht blass, uninteressant und dumm.
Sollten wir Gott und seinem guten Geist nicht
zutrauen, daß er in unsere Gedanken hineinspricht, uns mit gutem Rat lenkt und
führt? Ist es wirklich so, daß uns der Verstand immer von Gott weg in die
Unabhängigkeit führt? Oder sind es nicht vielmehr unsere Sünden, wie: Stolz,
Eitelkeit, Selbstsucht, Sucht nach Anerkennung, Herrschsucht, Begehrlichkeit nach
materiellen Dingen, Unmäßigkeit und vieles mehr, was uns von Gott wegbringt?
Ich bin fest davon überzeugt, daß der Verstand eine
gute, geniale Gabe von Gott ist und keine potenzielle Gefahr. Gefährlich allein
ist unser Hang zur Sünde, unser sogenanntes „Fleisch“! Der Verstand ist völlig
neutral. Es kommt ganz darauf an, wie und aus welchen Motiven heraus man ihn
gebraucht.
Liebe Gemeinde, es tat mir unwahrscheinlich gut und
hat mich zutiefst befriedigt, diese kleine Abhandlung zu schreiben. Ich hoffe,
Du genießt auch das Lesen!
Ralf Förthmann
Es war anno 1977. Ich hörte
das erste mal den Begriff Erweckung. Gott
hatte verschiedenen Menschen gesagt: "Erweckung kommt nach Europa, und
Deutschland ist der Schlüssel für diese Erweckung!"
Was ist Erweckung? Erweckung ist, wenn Du Menschen von Coca-Cola erzählst und
sie fangen an zu weinen, gehen auf die Knie und beten und bekehren sich zu
JESUS!
Erweckung ist, wenn ein Mann Gottes in eine Fabrik geht, um den Arbeitern zu
predigen, und wenn der Mann noch 2 Kilometer weit entfernt ist, werden die
Arbeiter durch den Heiligen Geist von ihrer Sünde überführt, fangen an in sich
zu gehen, zu weinen und um ihre Erlösung zu beten. Wenn dann der Mann Gottes
angekommen ist, braucht er sie nur noch zu trösten und ihnen zu erklären, was
gerade mit Ihnen passiert ist.
Das ist Erweckung.
Heute haben wir das Jahr 2007, also 30 Jahre nach dieser Prophezeiung.
Zwischendurch habe ich öfter folgendes gehört: Die Erweckung kommt in den
80iger Jahren. In den 80iger Jahren habe ich gehört: Die Erweckung kommt in den
90iger Jahren. In den 90igern habe ich gehört: Die Erweckung ist schon DA!
Halleluhja.
Irgendwie muss ich sie wohl verpasst haben, denn ich habe nix davon gemerkt.
In den 90iger Jahren hörte ich, die Erweckung ist die nächste Welle nach der
Heilig-Geist-Bewegung von
Toronto. Erinnert ihr Euch noch? Lachen, Weinen, brüllen wie ein Löwe,
ROTFL? (roll on the floor laughing)
Ja mei, das waren noch schöne Zeiten, gell? Ich bin dann irgendwann nicht mehr
in diese Vesammlungen gegangen, wo Erweckung gepredigt wird. (Ich hatte das
selbst viele Jahre lang getan) Deshalb bin ich im Moment nicht auf dem neuesten
Stand. Hat vielleicht irgendjemand von Euch die Erweckung gesehen? Vielleicht
in Bayern oder im Ruhrgebiet? Bei uns in Niedersachsen ist sie bisher nicht
gesichtet worden. Ich habe mal von Johannes Facius gehört, dass
den Christen in Dänemark schon in den 50iger Jahren prophezeit wurde, daß
Erweckung "vor der Tür" steht. Da stand sie in den 90igern dann immer
noch.
Letztes Jahr war ich in Dänemark im Urlaub. Wir haben lecker Fisch und Eis
gegessen.
Da frage ich einen Dänen, was denn die Erweckung macht? Er nickt
enthusiastisch, deutet hinter sich und sagt: "Die steht gleich um die
Ecke!"
Stimmte aber nicht, ich habe nachgeguckt. Doch heute traf es mich wie ein
Schlag: Jetzt weiß ich, warum noch keine Erweckung da ist. jetzt weiß ich wie
sie kommt.
Erweckung kommt durch den Radio-Wecker!!! Reibt Euch die Augen ihr
Christenvolk und seht selbst!
Nun aber mal ernst: Ich
möchte mich hiermit bei allen Menschen entschuldigen, die ich jemals durch
Predigt, Lehre oder Gespräche davon überzeugt habe, dass Gott gesagt hätte, es
kommt Erweckung nach Deutschland. Ich habe einfach nur das weitergesagt, was
andere geglaubt haben, von Gott zu hören. Ich selbst habe nie so eine
Verheißung von Gott gehört. Ich war ein blinder Leiter von Blinden. Jawohl, ich habe mir Erweckung sehr intensiv
gewünscht und oft und anhaltend dafür gebetet.
Aber ich bedauere die
Anmaßung, so zu tun, als wüßte ich in dieser Sache den Plan und die Vorsehung
Gottes.
Die
Wahrheit ist kein Dogma – Die Wahrheit ist eine Person!
Jesus
Christus